Jodlerklub Gletscherecho - Jodlerklub Gletscherecho
CH-3906 SAAS-FEE
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Wie alles angefangen hat.....

Chronik 1983-1991 Jodlerklub Gletscherecho von Edy Kuonen

  „Wo man singt, da lass dich nieder, böse Menschen singen keine Lieder.“ Was dieser bekannte und oft gehörte Spruch beinhaltet, hat auch zur Gründung des Jodlerklubs Gletscherecho in Saas-Fee geführt.

Das Liedergut zu verbreiten, den Gesang und die Geselligkeit zu pflegen, das kulturelle Angebot in einem weltbekannten Kurtort zu erweitern, dies steht als Sinn und Zweck des Vereins nicht nur in den Statuten, sondern war auch der Leitgedanke jener Handvoll begeisterter Sänger, die die Idee hatten, in Saas-Fee einen Jodlerklub zu gründen, und die von diesem Gedanken bis zur erfolgten Gründung nicht mehr abliessen. Man war überzeugt, mit dem gemütlichen und urchigen Gesang nicht nur die Herzen der einheimischen Bevölkerung, sondern bald auch die der Erholung suchenden Gäste erobern zu können. Mit dem Ziel, auch dem Gast, aus der Hektik des Alltags kommend, ein Stück heile Welt zu vermitteln, lag die Gründung des Jodlerklubs auch im Interesse unseres Kurortes.

Ein erster Funke sprang anlässlich der „Haute-Route“, zu der der Walliser Verkehrsverband, die Schweizerische Verkehrzentrale zusammen mit der Swissair im Frühjahr 1983 Journalisten aus aller Welt eingeladen hatte. Am ersten Abend, in der Britanniahütte, sang und jodelte man bis in die Nacht hinein, obwohl es bei der nächsten Tagwache noch lange dunkel war. Die fröhliche und entspannte Atmosphäre begeisterte sogar einen Teil der Journalisten aus Amerika, Norwegen, Schweden u.a., denen der Jodelgesang bis dahin fremd war. An jenem Abend wurde die Idee geboren, in Saas-Fee einen Jodlerklub zu gründen. Von diesem Vorhaben liessen sich das bekannte Jodler-Wirtepaar der Britanniahütte, Therese und Ambros Andenmatten, sowie einige Mitglieder der Begleitmannschaft der Journalisten begeistern. Nicht weniger als fünf Tenöre des später gegründeten Jodlerklubs waren an diesem geselligen Abend in der Britanniahütte anwesend.

Als eigentlicher Initiator darf der damalige Kurdirektor Amadé Perrig gelten. Ohne seinen zielstrebigen Einsatz wäre wohl kein Jodlerklub entstanden. Seine Erfahrungen als bereits aktiver Jodler des Jodlerklubs „Ahori“, Brig-Glis, und seine weitreichenden Beziehungen zu den meisten übrigen Jodlerklubs im Oberwallis waren für uns von grossem Wert. Die zu Beginn fast unlösbar erscheinende Aufgabe, einen Dirigenten zu verpflichten, konnte durch seine Vermittlung gelöst werden. Die Ausgangslage war nicht einfach. Wir sollten der 10. Klub im Oberwallis werden, die einzig von fünf Dirigenten geleitet wurden. Ersschwerend kam hinzu, dass Saas-Fee am Ende eines langen Seitentales liegt und dass in schneereichen Wintern die Strasse nicht immer ungefährlich ist. Wir empfanden es dann als grosses Glück, dass Peter Summermatter aus Naters sich bereit erklärte, unseren Jodlerklub als Dirigent zu übernehmen.

Nachdem die zwei entscheidenden Zusagen, d.h. diejenigen der SolojodlerInnen und des Dirigenten, vorhanden waren, konnte man an die Realisierung der Gründung gehen. Die erste Phase wurde weitgehend von Amadé Perrig bestimmt und koordiniert. Ihm zur Seite Stand Hans-Peter Bumann, der sehr engagiert bei der Sache war und grosse Arbeit leistete. Zu Recht wurde er dann erster Klubpräsident. Ein Flugblatt an alle Haushaltungen lud zu einer Orientierung ein.

Am 18. Juli 1983 fanden sich über 30 Personen zu einer ersten Probe ein. Der unter den Jodlern in der ganzen Schweiz bekannte Komponist, Dirigent und Kampfrichter, Dr. Ewald Muther, übernahm zusammen mit Norbert Lauwiner die Aufgabe, die Stimmen einzuteilen. Als willkommene Geburtshelfer des jungen Klubs halfen sie, die ersten Schreie in erste Töne umzuwandeln, sie führten auch die ersten Proben durch, bis Peter Summermatter, seinen Militärdienst beendet, den Klub definitiv übernehmen konnte. Der damalige Chronist Hans-Peter Bumann lässt in seinem Protokoll etwas von der Stimmung der ersten Probe anklingen, wenn er schreibt: „...sie übernahmen die Mühe, die noch rauhen Stimmen so einzuteilen, dass danach ein Chorklang entstehen sollte. Freude und Begeisterung für die seit einiger Zeit langsam erwachende Idee, sich zu einer Jodlergruppe zusammenzutun, haben den Abend geprägt und mit echter Herzlichkeit umrahmt. Überraschend gross war die Zahl der Jodlerfreunde, einmalig bunt in ihren Lebensjahren. Fünf waschechte, fröhlich gestimmte Walliserinnen trugen zur gehobenen Stimmung bei!“

Am 19.August 1983 konnte die offizielle Gründungsversammlung abgehalten werden. Der Tagespräsident Amadé Perrig durfte 31 am Jodelgesang Interessierte begrüssen, darunter fünf Frauen. Neben anderen Geschäften galt es, einen Vorstand zu bestimmen. Hans-Peter Bumann wurde zum ersten Präsidenten gewählt. Auf ihn folgte Beat Zurbriggen, seit 1988 hat Edgar Andenmaten diese Funktion inne.

Das neugeborene Kind musste auch einen Namen haben. Bei einem Ideenwettbewerb unter den Mitgliedern rang der Name „Gletscherecho“ oben aus. Der Schöpfer des originellen Namens war Pirmin Burgener. Ob ihn wohl das dumpfe, nächtliche Dröhnen der zu Tale stürzenden Gletscherabbrüche an die ersten Proben der Bässe erinnerte? Er hat es uns nicht verraten!

Nach dem glücklichen Start war die Begeisterung gross. Es wurde tüchtig geprobt und nach einem halben Jahr durfte der junge Verein einen Heimatabend organisieren und bereits mit zwei Liedern Bevölkerung und Gäste überraschen. Die Auftritte wurden zahlreicher und bald gehörte der Jodlerklub zum gewohnten erscheinungsbild bei den meisten feierlichen Anlässen wie z.B. beim Nationalfeiertag, bei den sommerlichen Platzkonzerten, beim Älplerfest, beim Empfang des Weltmeisters Pirmin Zurbriggen in Saas-Almagell, beim Folkloreumzug vom 15. August in Zermatt, u.a.

Am 9. September 1984 nahm der Klub erstmals am kantonalen Jodlerfest in Visp teil. Mit der Teilnahme am Westschweizerischen Jodlerfest in Murten 1985 nahm man sich im zweiten Gründungsjahr Grosses vor. Auf Anhieb klappte es mit einem „Gut“, womit auch die Qualifikation für’s Eidgenössische Jodlerfest in Brig geschafft war.

An einem prächtigen Sommertag, am 7. Juli 1985, durfte sich der Jodlerklub in neuem Kleid der Öffentlichkeit vorstellen. Beim Festgottesdienst auf dem Dorfplatz, unter grosser Teilnahme der Bevölkerung und vieler Gäste, mit der Mischabelkette als imposante Kulisse im Hintergrund, segnete Pfarrer German Burgener die neue Tracht ein. Der Jodlerklub von Alpnach sang die von ihrem Dirigenten komponierte Jodlermesse.

Eine initiative Trachtenkommission unter Vorsitz von Cyrill Supersaxo entschied sich für die alte Saas-Männertracht, die im Saastal bis ins erste Drittel dieses Jahrhunderts getragen wurde. Obwohl nicht aufdringlich, hebt sie scih von den üblichen Trachten der meisten Jodlerklubs ab, die Mitglieder setzen so auch ein äusseres Zeichen der Verbundenheit mit ihrer Heimat. Der Stoff wurde maschinell gesponnen, aber von Hand gewoben. Er enstand im Atelier für Jhandweberei von frau Gelpke im Lötschental. Dank der sprichwörtlichen Grosszügigkeit der Bevölkerung konnte die finanzielle last bald abgetragen werden. Allen Gönnern sei an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt.

Auch im Jahre 1986 herrschte ein aktives Vereinsleben. So hatten wir die Ehre, mehrmals vor internationalem Publikum aufzutreten. Bundesrat Egli lud die Umweltminister der deutschsprachigen Länder zu Arbeitssitzungen nach Saas-Fee ein. Als „Erklärung von Saas-Fee“ wird diese Konferenz in die Geschichte der Umweltpolitik eingehen. Wir durften beim offiziellen Akt dabeisein. Weitere Anlässe waren ein internationaler Ärztekongress für Wintersportmedizin, das beliebte internationale Bergführerrennen, sowie die Eröffnung des höchsten Drehrestaurants Mitellallalin auf 3500m ü.M.

Ein erster Höhepunkt in der kurzen Vereingeschichte war der Auftritt in Manheim Deutschland, wo wir als Berbeträger unseres Kurortes an der  „Nacht des deutschen Sportes“ teilnahmen! Keine Geringere als die langjährige Nr. 1 der Tenniswelt, Steffi Graf, wurde unter Begleitung unserer Weisen zur deutschen Sportlerin des Jahres erkürt. Der Ausflug, verbunden mit dem Besuch beim legendären Zwerg Perkeo vor dem Riesenfass im Schloss von Heidelberg, liess den Verein auch nach innen wachsen.

Da Saas-Fee vom Deutschen Fernsehen ZDF als Austragungsort der beliebten Sendung „Sonntagskonzert“ ausgewählt wurde, gehörte auch der Jodlerklub zu den Mitwirkenden und zwar mit dem Lied von Adolf Stähli: „E gschänkte Tag“.

Nach wochenlangem, regnerischem und kühlem Wetter öffnete sich der Himmel genau im Moment der Eröffnungsfeier zum Eidgenössischen Jodlerfest in Brig, im Juni 1987. Organisatoren und Festteilnehmer erlebten bei echtem „Walliserhimmel“ ein einmaliges Fest, zu dem die alten Gassen und Plätze von Brig und Naters den passenden Rahmen gaben. Für uns war es die erste Teinahme an einem Eidgenössischen. Verständlich die Nervosität bei fast allen Mitgliedern, und trotzdem hat es in der Klassierung durch die strenge Jury zu einem „Gut“ gereicht. Grosse Mühe gab man sich mit dem Sujet für den Umzug. Unter der Leitung von Dominik Gnos wurde ein mächtiges Stück Eis aus dem Feegletscher gehauen und ins Tal geschafft. Künstlerische Hände formten ein kristallähnliches Gebilde, als Symbol des Ewigen. Zu Recht wurde der „Wagen“ aus Saas-Fee im Fernsehen ausreichend gewürdigt und von der Jury mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Auf die vielen Höhepunkte und Höhenflüge folgten dann leider einige Tiefschläge, die den Verein ins Mark  trafen und tief erschütterten.

Da war einmal die Demission des geschätzten und tüchtigen Dirigenten Peter Summermatter. Da er Aufgaben im eidgenössischen Jodlerverband als Kampfrichter übernahm, bereits einen weiteren Klub leitete und für die Proben jeweils fast 3 Stunden an Weg zurücklegen musste, hatte man für seinen Entschluss Verständnis, schmerzlich blieb er aber trotzdem. Die Schwierigkeiten, einen Dirigenten zu finden, habe ich oben erwähnt. Dazu kam der plötzliche Tod von Ambros Andenmatten am 20. Februar 1988, der nach kurzer schwerer Krankheit jäh aus unserer Mitte gerissen wurde. Als Mann der ersten Stunde und als Solojodler war er eine tragende Stütze des Klubs. In ihm verlor der Verein einen fleissigen, zuverlässigen Sänger, jedes Mitglied einen stillen, grosszügigen Freund. Er war ruhender Pol, um den man sich gerne scharte. Da uns nach seinem Tod auch seine Frau, die Solojodlerin Therese, verliess, blieb eine klaffende Wunde zurück. Der Klub schien in seiner weiteren Existenz bedroht.

Aber wie es im Lied von Adolf Stähli heisst:“...vergiss im Läbe nie, dass alli Wulche wyter zieh“, zeichnete sich nach dunkler Nacht und einer langen Pause die Morgenröte ab. In Daniel Föhn fanden wir, fast wie ein Geschenk des Himmels, einen neuen Dirigenten. Er war als kompetenter Fachmann auf dem musikalischen Gebiet bekannt, aber bis dahin hatte er mit dem Jodelgesang wenig Berührung. Rasch arbeitete er sich in die Eigenschaften dieser Art Gesang ein und verstand es, uns wieder auf ein gutes Niveau zurückzuführen.

Die Nachwuchssängerin Lilian Zurbriggen stand plötzlich alllein da, sie wurde sich ihrer Verantwortung bewusst und wuchs förmlich aus sich heraus. Bei der nächsten Qualifikation in Rapperswil 1989 wurden wir sogar „erstklassig“, und auch beim darauffolgenden Eidgenössischen in Solothurn 1990 erhielten wir ein „sehr gut“. Nicht zuletzte dieser Erfolg in Solothurn verschaffte uns bei Sepp Trütsch Gehör, so dass er uns bei der „Fyrabig-Sendung“ aus Saas-Fee 1990 gleich zweimal live singen liess.

Ein unvergessliches Erlebnis war für einen Teil des Jodlerklubs der einwöchige Auenthalt im Februar 1989 bei der Schwesterstadt Steamboat Springs in Amerika. Noch heute hört man davon schwärmen. Bei den Amerikanern sei der Jodelgesang überall auf grosse Begeisterung und Sympathie gestossen.

Seit einiger zeit trug man sich im Klub mit dem Gedanken, in Saas-Fee ein regionales Jodlerfest durchzuführen. Nach einer fast einstimmigen Zustimmung des Klubs, bewarb man sich für 1991 um die Durchführung des Westschweizerischen Jodlerfestes. Im Bewusstsein, dass man für solche Grossanlässe auf die Infrastruktur des Verkehrsvereins zurückgreifen kann, überzeugt, dass Behörden und das ganze Dorf hinter dem Verein stehen, wurde diese Kandidatur gestellt. In Benjamin Bumann, langjähriger Gemeindepräsident und Grossrat, fand man die passende Persönlichkeit für den OK-Vorsitz. Ein eifriges OK ist seit längerer Zeit an der Vorbereitung des Jodlerfestes vom 5.-7.Juli 1991 in Saas-Fee. Wenn der Wettergott, und was bleibt ihm wohl anderes übrig, auch noch mitmacht, werden alle Sängerinnen und Sänger, Alphornbläserinnen und Alphornbläser und Fahnenschwinger bei gemütlicher Kameradschaft ein frohes Fest erleben. 

Dr. Edy Kuonen

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